Warum „Du musst doch nur …“ einfach nicht stimmt

Titel Warum Du musst doch nur ... einfach nicht stimmtWarum „Du musst doch nur …“ einfach nicht stimmt.

In diesem Blogartikel erzähle ich Dir, warum ich den Satz „Du musst doch nur …“ nicht mehr hören kann, warum die Sache mit dem Essgewohnheiten ändern, abnehmen & Co. nie „nur“ ist und wie Du mit einem „Du musst doch nur …“ gut umgehen kannst.

 

Dieses kleine Wörtchen NUR

Vielleicht hast Du es schon einmal erlebt: Du erzählst Freunden oder Bekannten, dass Du mit Deiner Figur überhaupt nicht mehr zufrieden bist, dass Du gerne etwas verändern möchtest, aber es irgendwie überhaupt nicht klappen will. Und dann kommt dieser Satz zurück: „Aber du musst doch nur …. (dies oder das essen oder eben weglassen, mehr Sport machen, whatever)“. Gerne auch getarnt als „Du musst halt mehr davon / weniger davon … „
Und dann passiert es vielleicht, dass Du diesen gut gemeinten Rat befolgen willst, weil es doch offenbar so einfach ist – aber wieder zu keinem Ergebnis kommst, mit dem Du zufrieden bist. Oder die Äußerung macht Dir ein irgendwie ungutes Gefühl, das Du nicht so recht einordnen kannst.

Da fallen dann so Sätze wie:
„Du musst nur ordentlich und gesund frühstücken!“
„Du musst nur mehr Sport machen!“
„Du musst halt mal weniger essen!“
„Du musst doch nur ein bisschen diszipliniert sein!“

Weißt Du was? Ich kann diesen Satz „Du musst doch nur …“ nicht mehr hören!

Gerade wenn es um das Thema Ernährung, abnehmen, Sport geht, ist es so einfach, Ratschläge zu geben. Ungefähr jeder, den man dazu befragt, kann dazu was sagen. Aber niemand meint: Du, ich kenne Deine Situation nicht gut genug, um Dir da etwas wirklich Hilfreiches dazu sagen zu können.

So einfach, wie es das Wörtchen NUR signalisiert, ist es nämlich eben nicht!
Keine zwei Menschen sind gleich, wir alle haben unterschiedliche Leben, unterschiedliche Körper, unterschiedliche Herausforderungen. Deswegen macht mich dieses kleine Wort in dem Zusammenhang immer auch ein bisschen wütend. Weil ich aus eigener Erfahrung und aus der Arbeit mit meinen Kundinnen eben genau weiß, wie das so ist mit Veränderungen, die man gerne im Leben haben möchte.

Wir haben so viele Anforderungen in unseren Leben, so viele Rollen, die wir einnehmen, wir haben eine Familie, wir haben einen Beruf und vieles mehr. Und wir haben unsere Lebenserfahrung, unsere Biografie, die uns ebenfalls prägt und sich auf unsere Handlungen auswirkt!

Ich behaupte ja, dass jeder, der ein Ernährungs- oder Abnehmkonzept mit schnell, super-easy und weiteren Superlativen bewirbt, zuviel verspricht.

Deswegen lege ich in meiner Arbeit auch so großen Wert darauf, Dich als ganze Person und Persönlichkeit wahrzunehmen und zu sehen und nicht nur Deinen Wunsch, mit dem Du zu mir kommst. Denn wenn Du etwas verändern willst, dann muss es in Dein Leben passen!
Was nützt Dir der gut gemeinte Tipp „Dann iss halt nach 18.00 Uhr nichts mehr!“, wenn Du erst um 19.00 Uhr nach einem 10-Stunden-Arbeitstag nach Hause kommst und einen Riesenhunger hast, weil Du den ganzen Tag nicht zum Essen gekommen bist?
Was für den einen gut passt, ist für den anderen noch lange nicht machbar. Was für den einen wirklich ein „nur“ ist, ist für den anderen eine fast unüberwindliche Herausforderung.

Außerdem: Ich empfinde dieses „nur“ schon auch als klein-machend. Offenbar ist ja Dein Thema nicht sooo groß oder schwer … Für Dich ist es das aber!  Dein Gegenüber meint es selbstverständlich nicht böse oder abwertend. Aber wenn Du in Dich hineinlauschst, was dieser Satz in Dir auslöst: Fühlst Du Dich ernst genommen damit? Oder kommt eher so das blöde Gefühl von „Ich kriegs eben einfach nicht gebacken….“ bei Dir auf?

Hürden bei Veränderungen
(Foto: Pixabay)

Essgewohnheiten ändern, abnehmen, mehr bewegen – ist niemals „nur“

Warum fällt es uns so schwer, Veränderungen anzugehen und etwas anders zu machen als bisher? Weil unser Hirn Veränderungen überhaupt nicht leiden kann! Veränderungen kosten Energie, sie beanspruchen Kapazitäten – und für unseren Kopf ist gar nicht klar, dass es wirklich zu unserem Besten ist. Ich sage dann immer gern: Der arme kleine Schweinehund ist derjenige, der vorgeschickt wird. Aber er ist nicht der wirkliche Gegner. Der eigentliche Gegner – das sind 100.000 Jahre Evolution! In der Dimension wird schon deutlicher, warum Veränderungen so schwerfallen, oder? Unser Hirn ist gut darin, die Kontrolle zu übernehmen und uns bei dem zu halten, was bisher gut funktioniert hat. Dass sich unser Konsum- und Lebensumfeld gründlich geändert hat seit der Zeit, als wir noch Jäger und Sammler waren – nunja, das ist noch nicht so im Hirn angekommen …

Deswegen sage ich es ganz deutlich: Wenn Du Veränderungen mit dem Gedanken angehen willst, du müsstest ja „nur“ – dann wird es echt schwierig. Denn dann gibst Du dem nicht die Wichtigkeit und die Aufmerksamkeit, die es braucht. Dann sind auch ganz schnell die Türsteher in Deinem Kopf in Aktion, die Dein Vorhaben abblitzen lassen.
(Kennst Du die Türsteher schon? Hier findest Du meinen Blogartikel darüber.)
Wenn Du etwas anders machen möchtest als bisher, braucht es einige Beschäftigung mit dem Thema und eine wirklich starke Motivation (nicht Disziplin!).  Deshalb bringt es oft auch erheblich weiter, sich neutrale Unterstützung von außen zu holen.

Mach Dir bitte bewusst, dass Veränderungen Zeit brauchen und dass Du Deinen eigenen Weg finden darfst, ja?

Wie Du mit einem „nur“ umgehen kannst

Hier lege ich Dir wirklich ans Herz, erst einmal ganz bewusst in dich hineinzuhören, was so ein Satz mit Dir macht. Es ist völlig in Ordnung, wenn er Dich piekst und Dir unangenehm ist. Dann weißt Du, dass es nicht Dein Satz ist!

Eine Übung möchte ich Dir noch mitgeben: Wenn Du so einen Satz hörst und weißt, dass er in Dir negative Gefühle auslöst, dann versuche, Deinem Gegenüber innerlich zu sagen „Das ist Deine Sichtweise auf mich, ich habe eine andere, weil ich mich selber kenne.“
Mache das wirklich nur in Deinem Kopf, Du musst es nicht aussprechen.
Damit kannst Du so etwas wie eine unsichtbare Barriere zwischen Dir und Deinem Gegenüber errichten, aber ihr behaltet die gegenseitige Achtung. Du vermeidest damit auch eine längere Diskussion, die Du vielleicht auch gar nicht willst – Du musst Dich nämlich nicht rechtfertigen.

Vielleicht habe ich Dich ja jetzt ein bisschen sensibilisiert für all die Sätze mit dem Wörtchen „nur“, die Du so um Dich herum hörst? Das wäre wunderbar!

Heute gilt wieder einmal ganz besonders: Bleib selbst-bewusst

Deine Wegweiserin im Ernährungsdschungel

Foto Anja Rödel - Wegweiserin im Ernährungsdschungel

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2 Gedanken zu „Warum „Du musst doch nur …“ einfach nicht stimmt

  1. Am liebsten würde ich deinen Artikel jedem Coach, Therapeuten, Berater usw vorlegen, die meine, dass es ja ganz easy ist und am besten auch nur am eigenen Mindset liegt.

    Danke für diesen so wichtigen Artikel, den jeder Mensch in jeder Lebenslage lesen darf.

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