Wie die Türsteher im Kopf Dich ausbremsen

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Kennst Du das? Mindestens einhundert Mal hast Du Dir schon vorgenommen, gesünder zu essen. Mehr selber kochen, mehr Gemüse, kein Fertigfutter mehr. Oder auch: Dich mehr zu bewegen. Öfter mal das Fahrrad nehmen, rausgehen statt netflixen, damit die Waage endlich wieder eine niedrigere Zahl anzeigt. Schöne Gedanken und Bilder im Kopf, hehre Ziele – aber am nächsten Wochenende stellst Du fest, dass Du genau gar nichts von dem gemacht hast, was Du Dir verordnet hattest?!

Glaube mir, mir ging es lange Zeit genauso. Bis ich dazugelernt hatte und einige Mechanismen entlarvt hatte, die da immer mitspielen. Und einen dieser Mechanismen möchte ich Dir heute gerne vorstellen:

Darf ich bekanntmachen? Die Türsteher!

Vielleicht hast Du ja jetzt ein Bild vor Deinem inneren Auge – die bulligen Typen, die mit verschränkten Armen vor der Discotür stehen, den Reinwollenden von oben bis unten abschätzig mustern und dann sagen „Kummst Du net rein!“
Und weißt Du was? Genau das sollen sie tun – das ist ihr Job, dafür werden sie bezahlt. 🙂

Schild Keep Out
(Foto: Pixabay)

Solche Türsteher hast Du auch in Deinem Kopf. Sie sind dafür da, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und nur die wirklichen VIPs durchzulassen. Wobei die VIPs unseres Körpers eben sind: Atmen, Herzschlag, Muskelfunktion, Denken, Automatismen abspulen, Interaktion mit der Umgebung, Reflexe und so weiter.

Wenn Du diesen Türstehern nur den schönen Gedanken schickst, dass Du ab jetzt gesünder essen willst, Dich mehr bewegen willst (you name it) – dann gucken die kurz, belächeln das und bleiben einfach stehen. Das läuft in derselben Kategorie wie „Werbung“. Mal ehrlich, wenn Du irgendwo Werbung siehst, schaust Du dann fasziniert zu und hältst es für mega-wichtig? Oder ignorierst Du sie und wendest Dich anderen, schöneren oder interessanteren Dingen zu? Siehste …

Noch ein Beispiel

Ich möchte Dir den Unterschied zwischen „No Name“ und „VIP“ in unserem Kopf noch an einem – zugegeben recht plakativen – Beispiel zeigen. Stell Dir doch gedanklich mal vor:
Auf der einen Seite Dein Gesünder-essen-Vorhaben und das Gefühl, wie wichtig das für Dich ist.  (Ich bleibe der Einfachheit halber mal wieder bei diesem Beispiel, ja?)
Auf der anderen Seite die Situation, dass Du (oder eines Deiner Familienmitglieder etc.) gerade in einer blöden Lage bist – ein kleiner Unfall, ein Krankwerden, dringende Termine, die sich verschieben.
Welche Informationen lassen die Türsteher im Kopf jetzt wohl als VIP durch? Genau, das was gerade das „Überleben und Weiterfunktionieren“ sichert. Da gehört aber leider dieser komische Gedanke an „gesünder essen“ nicht dazu …

Was kannst Du also tun, damit die Türsteher im Kopf Deine Absicht auch als VIP erkennen und trotz allen anderen wichtigen Dingen durchlassen?

Deine Aufgabe quasi als Arbeitgeber für diese Türsteher im Kopf besteht darin, ihnen zu erklären, wie wichtig das für Dich ist, was Du vorhast.

Wie kannst Du das erreichen?

Der beste Weg ist, Deine Pläne selbst auch wichtig zu nehmen!

Ganz ehrlich: Einfach nur zu denken, „ab jetzt esse ich gesünder“ – das reicht definitiv nicht aus. Da muss schon mehr Schmackes dahinter sein. Denn wenn morgen Dein Tag komplett anders aussieht als geplant, isst Du dann trotzdem gesünder?

Ganz praktisch möchte ich Dir hier für den Anfang diesen Tipp geben, den Du ab sofort und jeden Tag umsetzen kannst:

Suche Dir morgens zwischen Aufstehen und Aus-dem-Haus-gehen einen Punkt, an dem Du eine Minute Zeit hast. Genau, nur eine Minute! Diese Minute wird regelmäßig, jeden Tag Dein Ankerpunkt, um Dein Vorhaben groß und wichtig zu machen. Diese Minute ist für Dich ganz allein, nur Du und Deine Gedanken – je früher am Tag, desto besser.
In dieser Minute gehst Du gedanklich in dein Vorhaben hinein – was willst Du eigentlich tun, mit welchem Detail wirst Du es heute umsetzen, wie fühlst Du Dich, wenn Du heute drangeblieben bist? Du kannst Dir auch die Frage stellen: Wie wichtig ist es für Dich?

Damit Du diese Minute auch nicht vergisst, lege Dir einen Gegenstand an eine Stelle, an der Du morgens auf jeden Fall bist. Je ungewöhnlicher Gegenstand und Ort, um so besser. Ein Legostein auf dem Frühstücksbrettchen, ein Schlüsselanhänger auf der Badablage, ein Tennisball auf der Küchenzeile … – er soll Dich an Deine eine Minute erinnern.

Jonglierball auf Wasserkocher

Es macht einen riesigen Unterschied, wie intensiv Du Dich damit beschäftigst, wieviel Raum das schöne Vorhaben in Deinem Kopf einnehmen „darf“, wieviel Du bereit bist, auch mal aus der Komfortzone rauszugehen – und ja, wieviel Du auch bereit bist, von der Bequemlichkeit loszukommen. Denn dann, und nur dann, können die Türsteher im Kopf merken, dass da ein VIP steht und bitte auch bevorzugt behandelt wird!

Also los, probier den Ankerpunkt gleich aus. Heute noch! Such Dir einen Gegenstand und finde einen völlig verqueren Platz dafür. Fang heute an, dann ist es morgen früh schon nicht mehr „neu“!

Bleib selbst-bewusst
Deine Anja

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