Geht’s jetzt um die Wurst?

Du liebe Zeit, da jagt uns die WHO (Weltgesundheitsorganisation) aber einen Schrecken ein … Vereinfacht gesagt, haben Studien gezeigt: Das Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken, steigt mit dem Verzehr von rotem und verarbeitetem Fleisch.
Wer also mehr rotes Fleisch und Wurst isst, hat ein höheres Risiko. Dürfen wir jetzt also bald gar nichts mehr essen??

Hm. Vor vielen Jahren bekam ich die Aussagekraft von Statistiken einmal so erklärt:
Ein Hase sitzt im Feld. Zwei Jäger entdecken den Hasen, legen ihre Gewehre an und schießen. Beide Jäger verfehlen ihr Ziel, der eine schießt links am Hasen vorbei, der andere rechts. Der Hase flitzt davon – obwohl er doch statistisch gesehen tot ist!?!
Schon klar, rechnerisch (also im Mittel) wurde der Hase getroffen. Das hat nur eben wenig mit der Praxis zu tun.

Zurück zur WHO und ihrer Studie:
Hier werden Zahlen in den Vordergrund gestellt, die sich auf die weltweite Bevölkerung beziehen. So sollen jährlich weltweit 1,2 Millionen Fälle von Dickdarm- und Mastdarmkrebs festgestellt werden, davon sollen 15 bis 20 % durch den Verzehr von rotem Fleisch und Wurstwaren ausgelöst sein. Das wären dann 240.000 Neu-Diagnosen weltweit.

Bevor wir uns jetzt alle das Schnitzel, den Braten, die Salami und die Leberwurst vergällen lassen:
Solche Verallgemeinerungen und Hochrechnungen halte ich für äußerst zweifelhaft. Weder werden weitere Erkrankungen noch andere Lebensstilfaktoren in die Betrachtung mit einbezogen. Auch nicht die jeweiligen landestypischen Küchen. Und ist es garantiert, nicht an Dickdarmkrebs zu erkranken, wenn ich kein Fleisch und keine Wurst esse? Eben.
Außerdem: Zu jeder Studie gibt es Gegenstudien, die die erste Studie widerlegen oder “Unschärfen” nachweisen.Und die weiteren Umstände, die laut der WHO-Studie zum Dickdarmkrebs führten, werden erst auf den zweiten Blick genannt.

Bleiben wir doch einfach beim gesunden Menschenverstand:
Jemand mit einem hohen Fleisch-und Wurstkonsum hat höchstwahrscheinlich noch ganz andere Probleme und Risiken als den Darmkrebs (Gelenke, Herz, Kreislauf, Übergewicht, Entzündungen, andere Krebsarten undsoweiter).
Wir ernähren uns nicht ausschließlich von Fleisch und Wurst, sondern es spielt auch alles andere, was wir essen, eine Rolle (Gemüse, Obst, Brot und alles andere).
Was ist mit den Faktoren “familiäre Vorbelastungen”, “Alkohol”, “Rauchen”, “Drogen”, “Sport”, “Stress”?

Also nehmen wir diese – Entschuldigung für den Kalauer – Sau, die da durchs Dorf getrieben wird, gelassen zur Kenntnis und widmen wir uns wieder wichtigeren Themen.
Hier wird etwas künstlich hochgespielt, um von anderen Themen abzulenken.

Wenn Sie dennoch selbst ein bisschen Zahlenspielerei betreiben wollen, hier ein paar
Quellen:

Statistische Jahrbuch für das Jahr 2012:
https://www.destatis.de/DE/Publikationen/StatistischesJahrbuch/StatistischesJahrbuch2014.pdf?__blob=publicationFile

Das Zentrum für Krebsregisterdaten:
http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Darmkrebs/darmkrebs_node.html

www.ernaehrung-im-fokus.de

Ihre
Anja Rödel

 

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